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Rechtsanwalt Wilfried Sydow

Rechtsanwalt Wilfried Sydow besetzt in unserer Kanzlei an der Wasserburger Landstraße im Münchner Osten unter anderem die Schwerpunkte Erb-, Miet- und Strafrecht.
Er beantwortet regelmäßig Leserfragen in der lokalen Presse und online auf unserer Website.
In unserem Blog berichten wir Ihnen außerdem über Wissenswertes rund um die Themen Recht und Steuer.

Frage: »Mein Onkel ist verstorben und hat mich testamentarisch zum Alleinerben bestimmt. Er war nicht verheiratet und hatte nur einen unehelichen Sohn, der aber bereits vor ihm verstorben ist. Dessen Kind lebt aber noch. Kann ich nun mein Erbe antreten oder muss ich mit Pflichtteilsansprüchen rechnen?«

Anwort: »Sie können Ihr Erbe antreten, dieses ist aber mit einem Pflichtteilsanspruch belastet. Hier kann der Enkel Ihres Onkels von Ihnen einen Pflichtteil verlangen. Pflichteilsansprüche können nur bestimmte Verwandte, die, wenn kein Testament vorliegt, nach dem Gesetz zur Erbschaft berufen wären, geltend machen. Dabei handelt es sich um die Eltern, den Ehegatten und die Abkömmlinge in gerader Linie - d.h. Kinder, Enkel, Urenkel usw. Sind Abkömmlinge vorhanden, scheiden Eltern als Pflichtteilsberechtigte aus.

Unter den Abkömmlingen steht zunächst den Kindern das Pflichteteilsrecht zu – gleich, ob sie ehelicher oder unehelicher Abstammung sind. Sind Kinder vorverstorben, so treten an ihre Stelle deren Kinder usw. Das Pflichtteilsrecht der Abkömmlinge existiert parallel zum Pflichtteilsrecht des Ehegatten. Ob der Erblasser selbst jemanden auf den Pflichtteil setzt, spielt keine Rolle. Das Pflichtteilsrecht ist ein gesetzlicher Anspruch, der immer dann entsteht, wenn einer der gesetzlichen Erben, der pflichteilsberechtigt ist, nicht zur Erbschaft berufen wird.

Der Pflichtteil ist die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Er ist einer reiner Zahlungsanspruch, der vom Erben zu erfüllen ist, wenn der Berechtigte ihn innerhalb von drei Jahren geltend macht. Sachwerte, wie z.B. Grundstücke, sind zu schätzen. Nachlassgegenstände selbst sind vom Erben aber nicht herauszugeben.«